Das Projekt "Schulen des Friedens" stärkt Schulen in Tschetschenien als Orte der Friedensförderung und des kreativen Lernens.
Über drei Jahre wurden Trainings für eine Gruppe von LehrerInnen, DirektorInnen und NGO-AktivistInnen angeboten und ein Raum für Austausch, Vernetzung und die Entwicklung von Ideen und Initiativen eröffnet. In den Trainings und während einer Bildungsreise nach Deutschland lernten die 20 TeilnehmerInnen des Projekts Grundlagen der gewaltfreien Konfliktbearbeitung und Ideen der Reformpädagogik kennen. Diese wendeten und wenden sie mit großer Begeisterung an, erproben sie und entwickeln sie für ihre Bedürfnisse weiter, um den Alltag in ihren Schulen zu verändern.

"Wenn es das Projekt nicht gäbe, würden meine Kinder noch immer brav mit verschränkten Armen an ihren Tischen sitzen." (Taus Iblueva, Unterstufenlehrerin in Serzhen Jurt, Juni 2010)
Rollenspiel zur Konfliktbearbeitung in einer 7. Klasse in Shali
"Ich habe verstanden, dass Konflikte nicht versteckt werden sollten. Ich trage alle Konflikte in der Klasse aus und bringe den Kindern bei, die Konflikte offen in der Klasse zu besprechen. ... Einmal kam nach der Stunde ein Mädchen zu mir und hat mich gefragt, ob, wenn sie mal einen Konflikt hat, wir das auch so machen können, dass sich alle zusammen setzen und gemeinsam den Konflikt klären." (Sabura Chashumova, Unterstufenlehrerin in Serzhen Jurt, November 2010)


"Ich habe für mich festgestellt, dass Kleingruppenarbeit die Kinder einander näher bringt, ein Raum des Vertrauens entsteht, eine freundschaftliche Atmosphäre nicht nur in der Klasse, sondern auch zwischen Lehrenden und Lernenden. Das ist für mich eine angenehme Entdeckung, die es ermöglicht, die Kinder ohne Zwang in den Lernprozess hinein zu holen, sie zu motivieren." (Guljaz Dzhukalaeva, Klassenlehrerin der Reformklasse in Alchazurovo, Dezember 2009)
"Der Selbstverwaltungstag war ein großer Erfolg. Er hat Schüler verschiedener Klassen und Altersstufen in Kontakt gebracht. Die Schüler hatten die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, etwas auszuprobieren, sich zu zeigen. Sie fühlten sich ernst genommen. Am beeindruckendsten für die SchülerInnen war der Perspektivenwechsel: sich selbst in der Rolle der LehrerInnen zu erleben. Das hat das Verständnis vom Lernprozess verändert, neue Erfahrungen und Entdeckungen ermöglicht. Der Tag hat sich positiv auf das Verhältnis von LehrerInnen und SchülerInnen ausgewirkt. Von vielen wurde der Wunsch geäußert, den Tag zu wiederholen. Einige Lehrer meinten anschließend, der Tag habe ihnen ins Bewusstsein gebracht, wie lebendig Lernen sein könnte." (Nazhmudin Idalov, Direktor der Schule in Ojschar, März 2009)

"In der Montessori-Schule in Potsdam hatte ich behinderte Kinder gesehen, die ganz selbstverständlich mit anderen Kindern in einer Schule lernten. Das hat mich so erschüttert, dass ich dieses Bild nicht vergessen konnte. Und als ich nach Hause zurück kam, dachte ich darüber nach, ob wir nicht auch behinderte Kinder in die Schule aufnehmen können. Bei uns im Dorf gibt es zwei Jungen mit Kinderlähmung. Ich sprach mit den Lehrern, mit den Eltern der Kinder und mit den Jungs selber. Und seit dem 1. September gehen sie in unsere Schule. Die anderen Kinder helfen ihnen, die Pädagogen kümmern sich besonders um sie, und die Jungs sind sehr zufrieden. Es scheint mir sehr wichtig, dass behinderte Kinder in einer gewöhnlichen Schule lernen können." (Madina Elmurzaeva, Direktorin der Schule in Roshni-Chu, November 2010)
August 2008: 1. Training in Groznyj * Gewaltfreie Konfliktbearbeitung - Kommunikation - Schulanalysen
Dezember 2008: 2. Training in Groznyj * Lernen & Lehren - mein Bild von mir als LehrerIn - Bilder vom Lernen - pädagogische Grundlagen: Gestaltpädagogik, Pädagogik der Befreiung, Themenzentrierte Interaktion - Arbeit mit dem Film "Treibhäuser der Zukunft" (Film über Reformschulen in Deutschland)
August 2009: Treffen der Gruppe in Groznyj * Methoden kollegialer Unterstützung
November 2009: 3. Training in Groznyj * Kultur und Erinnerung - Krieg und Frieden - Genderrollen und Kultur

November 2009: Kreativworkshop für KunstlehrerInnen und PädagogikstudentInnen,
durchgeführt von Martin Hoffmann
Juni 2010: Reise nach Deutschland; Hospitationstage an Schulen in Berlin, Potsdam und Güstrow; 4. Training * Konfliktbearbeitung - Partizipatorische Lehrmethoden - Reflexion der Anwendbarkeit in Tschetschenien
November 2010: Öffentliche Veranstaltung in Groznyj - Runder Tisch mit VertreterInnen staatlicher Schulpolitik - Verbreitung der Ideen und Erfolge des Projektes
November 2010: Training an der Schule in Alchazurovo * Erfahrungen und Perspektiven des Projektes
„Živaja nit’ - Lebensfaden“ (gegründet 2008) hat nachhaltige Friedens- und Bildungsarbeit und den Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen in Tschetschenien zum Ziel. Schwerpunkt ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie PädagogInnen und Eltern zur Stärkung der Rechte und Entwicklungsperspektiven von Kindern und Jugendlichen. Neben den "Schulen des Friedens" realisiert die NGO Projekte zu Kinder- und Mädchenrechten, gegenwärtig das Projekt "Mädchen ohne Fesseln".
Die Organisation wurde 2008 von einer ehemaligen Aktivistin der Organisation „Echo des Krieges“ gegründet. Sie baut auf den Erfahrungen langjähriger Friedensarbeit - Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen sowie soziale Arbeit und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in den Kriegsjahren - auf.
"Sintem" wurde 2003 in einem Flüchtlingslager in Inguschetien gegründet. Vorrangiges Ziel der Organisation ist die Stärkung der Interessen von Frauen und ihrer Teilhabe an gesellschaftlichen und politischen Prozessen. "Sintem" betreibt ein Frauenzentrum, dass psychologische Beratung und materielle Unterstützung für Frauen, Gesundheitstrainings und verschiedene Programme zur Förderung der Selbstorganisation von Frauen anbietet. Das Engagement der Organisation geht jedoch weit darüber hinaus und umfasst ein breites Spektrum an friedens- und bildungspolitischen Aktivitäten. Im Rahmen des Programms "Hilfe für Helfende" arbeitet "Sintem" seit vielen Jahren mit LehrerInnen, bietet psychologische Unterstützung und pädagogische Weiterbildung an. Zunehmend arbeitet die Organisation auch mit Kindern und Jugendlichen zu Gender, Selbstbestimmung und Konfliktbearbeitung und führt antirassistische Trainings mit Jugendlichen aus verschiedenen Kaukasusrepubliken durch. Wesentliches Anliegen ist die Förderung zivilgesellschaftlicher Strukturen durch Netzwerkarbeit mit Organisationen aus anderen kaukasischen Republiken und die Unterstützung von NGOs bei der Organisationsentwicklung.
Das Projekt „Schulen des Friedens“ wurde 2008 - 2010 durch das Institut für Auslandsbeziehungen e.V. aus Mitteln des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland gefördert.
Es gibt verschiedene Ideen für eine Weiterführung des Projektes und die Verstärkung seiner Wirkungen.
Für eine Klärung der Projektideen und der weiteren Zusammenarbeit mit unseren tschetschenischen Partnerinnen wollen wir zunächst Gelder für einen gemeinsamen Planungsworkshop akquirieren.