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Kommunika Osteuropa

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„Schulen des Friedens“ 2008 -2010

Ein Projekt von „Lebensfaden“, „Sintem“ (Groznyj/ Tschetschenien) und „Kommunika e.V.“

Das Projekt "Schulen des Friedens" stärkt Schulen in Tschetschenien als Orte der Friedensförderung und des kreativen Lernens.

  • damit Kindern das Lernen Spass macht
  • damit sie lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen
  • damit SchülerInnen ihre Persönlichkeit entfalten
  • damit sie ihre Fähigkeiten und ihre Selbständigkeit entwickeln können

Über drei Jahre wurden Trainings für eine Gruppe von LehrerInnen, DirektorInnen und NGO-AktivistInnen angeboten und ein Raum für Austausch, Vernetzung und die Entwicklung von Ideen und Initiativen eröffnet. In den Trainings und während einer Bildungsreise nach Deutschland lernten die 20 TeilnehmerInnen des Projekts Grundlagen der gewaltfreien Konfliktbearbeitung und Ideen der Reformpädagogik kennen. Diese wendeten und wenden sie mit großer Begeisterung an, erproben sie und entwickeln sie für ihre Bedürfnisse weiter, um den Alltag in ihren Schulen zu verändern.

Ziele des Projektes

  • Bildung von Teams aus LehrerInnen und MitarbeiterInnen von NGOs, die an Schulen gemeinsame Aktivitäten planen und durchführen
  • Schaffung von mehreren Modellschulen in ländlichen Regionen und Grozny, die gewaltfreie Konfliktbearbeitung und partizipatorische Methoden in ihren Schulalltag integrieren
  • Förderung der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Tschetschenien

Erfolge

  • Als sei es selbstverständlich nutzen die ProjektteilnehmerInnen jetzt kreative Methoden im Unterricht: Bewegungsspiele, die Arbeit mit Collagen und Malen, Rollenspiele, Sitzen im Kreis u.ä. Innerhalb der Gruppe der ProjektteilnehmerInnen sind Vertrauen und Selbstvertrauen gewachsen. Das wirkt sich auch auf die Arbeit in den Schulen aus. Die LehrerInnen trauen den SchülerInnen mehr zu. Diese vertrauen den LehrerInnen mehr, sind wacher im Unterricht und haben viel Spaß.

  • 3. Klasse in Serzhen Jurt

    "Wenn es das Projekt nicht gäbe, würden meine Kinder noch immer brav mit verschränkten Armen an ihren Tischen sitzen." (Taus Iblueva, Unterstufenlehrerin in Serzhen Jurt, Juni 2010)

  • An vielen Schulen werden Konflikttrainings durchgeführt. Die Auffassung, Konflikte schnell und restriktiv 'lösen' zu müssen, hat sich verändert. Jetzt werden die konstruktiven Seiten der Konflikte sichtbar gemacht. Die Situationen werden mit den SchülerInnen gemeinsam bearbeitet.

  • Rollenspiel - Konflikttraining in Shali

    Rollenspiel zur Konfliktbearbeitung in einer 7. Klasse in Shali

    "Ich habe verstanden, dass Konflikte nicht versteckt werden sollten. Ich trage alle Konflikte in der Klasse aus und bringe den Kindern bei, die Konflikte offen in der Klasse zu besprechen. ... Einmal kam nach der Stunde ein Mädchen zu mir und hat mich gefragt, ob, wenn sie mal einen Konflikt hat, wir das auch so machen können, dass sich alle zusammen setzen und gemeinsam den Konflikt klären." (Sabura Chashumova, Unterstufenlehrerin in Serzhen Jurt, November 2010)

  • An der Schule in Alchazurovo wird in einer 'Reformklasse' in kleinen Gruppen gelernt. Die SchülerInnen unterstützen sich gegenseitig und beginnen selbst, Initiative zu ergreifen.

  • Gruppenarbeit in Alchazurovo

    Alchazurovo


    "Ich habe für mich festgestellt, dass Kleingruppenarbeit die Kinder einander näher bringt, ein Raum des Vertrauens entsteht, eine freundschaftliche Atmosphäre nicht nur in der Klasse, sondern auch zwischen Lehrenden und Lernenden. Das ist für mich eine angenehme Entdeckung, die es ermöglicht, die Kinder ohne Zwang in den Lernprozess hinein zu holen, sie zu motivieren." (Guljaz Dzhukalaeva, Klassenlehrerin der Reformklasse in Alchazurovo, Dezember 2009)

  • Von einer Schule wurde die sowjetische Tradition der Schülerselbstverwaltungstage aufgegriffen. Danach wurden an vier weiteren Schulen Selbstverwaltungstage durchgeführt, an denen die SchülerInnen den Lehrbetrieb und die Verwaltung der Schule übernahmen.

  • "Der Selbstverwaltungstag war ein großer Erfolg. Er hat Schüler verschiedener Klassen und Altersstufen in Kontakt gebracht. Die Schüler hatten die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, etwas auszuprobieren, sich zu zeigen. Sie fühlten sich ernst genommen. Am beeindruckendsten für die SchülerInnen war der Perspektivenwechsel: sich selbst in der Rolle der LehrerInnen zu erleben. Das hat das Verständnis vom Lernprozess verändert, neue Erfahrungen und Entdeckungen ermöglicht. Der Tag hat sich positiv auf das Verhältnis von LehrerInnen und SchülerInnen ausgewirkt. Von vielen wurde der Wunsch geäußert, den Tag zu wiederholen. Einige Lehrer meinten anschließend, der Tag habe ihnen ins Bewusstsein gebracht, wie lebendig Lernen sein könnte." (Nazhmudin Idalov, Direktor der Schule in Ojschar, März 2009)

  • Einige ProjektteilnehmerInnen haben eine kleine private Schule eröffnet, in der mit reformpädagogischen Ansätzen gearbeitet wird.

  • Collagen zum Thema Kinder der Welt

  • Die sieben beteiligten Schulen und sechs Nichtregierungsorganisationen arbeiten zusammen, entwickeln neue Ideen, laden sich gegenseitig zur Beteiligung ein.

  • Großer Erfolg beim Runden Tisch in Groznyj im November 2010: der Prorektor des Lehrerweiterbildungsinstitutes des Bildungsministeriums der Tschetschenischen Republik forderte ProjektteilnehmerInnen auf, Weiterbildungsworkshops an seinem Institut zu geben. Feste Vereinbarungen für die ersten zwei Workshops im Dezember 2010 und Januar 2011 wurden bereits getroffen.

  • Die Direktorin der Schule in Roshni-Chu nahm zwei behinderte Kinder in ihre Schule auf. In einer Gesellschaft, in der Behinderte unsichtbar sind und behinderte Kinder zu Hause sitzen, ist das ein großer Schritt.

  • "In der Montessori-Schule in Potsdam hatte ich behinderte Kinder gesehen, die ganz selbstverständlich mit anderen Kindern in einer Schule lernten. Das hat mich so erschüttert, dass ich dieses Bild nicht vergessen konnte. Und als ich nach Hause zurück kam, dachte ich darüber nach, ob wir nicht auch behinderte Kinder in die Schule aufnehmen können. Bei uns im Dorf gibt es zwei Jungen mit Kinderlähmung. Ich sprach mit den Lehrern, mit den Eltern der Kinder und mit den Jungs selber. Und seit dem 1. September gehen sie in unsere Schule. Die anderen Kinder helfen ihnen, die Pädagogen kümmern sich besonders um sie, und die Jungs sind sehr zufrieden. Es scheint mir sehr wichtig, dass behinderte Kinder in einer gewöhnlichen Schule lernen können." (Madina Elmurzaeva, Direktorin der Schule in Roshni-Chu, November 2010)


Wichtige Etappen des Projektes

Training

August 2008: 1. Training in Groznyj * Gewaltfreie Konfliktbearbeitung - Kommunikation - Schulanalysen

Entwicklung einer Idee für den Musikunterricht

Dezember 2008: 2. Training in Groznyj * Lernen & Lehren - mein Bild von mir als LehrerIn - Bilder vom Lernen - pädagogische Grundlagen: Gestaltpädagogik, Pädagogik der Befreiung, Themenzentrierte Interaktion - Arbeit mit dem Film "Treibhäuser der Zukunft" (Film über Reformschulen in Deutschland)

Treffen in Groznyj

August 2009: Treffen der Gruppe in Groznyj * Methoden kollegialer Unterstützung

Frieden bauen

November 2009: 3. Training in Groznyj * Kultur und Erinnerung - Krieg und Frieden - Genderrollen und Kultur

Kreativworkshop mit Martin Hoffmann

November 2009: Kreativworkshop für KunstlehrerInnen und PädagogikstudentInnen,

durchgeführt von Martin Hoffmann

Besuch der Silbersteinschule in Berlin-Neukölln

Juni 2010: Reise nach Deutschland; Hospitationstage an Schulen in Berlin, Potsdam und Güstrow; 4. Training * Konfliktbearbeitung - Partizipatorische Lehrmethoden - Reflexion der Anwendbarkeit in Tschetschenien

Runder Tisch in Groznyj

November 2010: Öffentliche Veranstaltung in Groznyj - Runder Tisch mit VertreterInnen staatlicher Schulpolitik - Verbreitung der Ideen und Erfolge des Projektes

Vision Schulen des Friedens

November 2010: Training an der Schule in Alchazurovo * Erfahrungen und Perspektiven des Projektes

Unsere Partnerorganisationen in Tschetschenien

„Živaja nit’ - Lebensfaden“ (gegründet 2008) hat nachhaltige Friedens- und Bildungsarbeit und den Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen in Tschetschenien zum Ziel. Schwerpunkt ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie PädagogInnen und Eltern zur Stärkung der Rechte und Entwicklungsperspektiven von Kindern und Jugendlichen. Neben den "Schulen des Friedens" realisiert die NGO Projekte zu Kinder- und Mädchenrechten, gegenwärtig das Projekt "Mädchen ohne Fesseln".

Die Organisation wurde 2008 von einer ehemaligen Aktivistin der Organisation „Echo des Krieges“ gegründet. Sie baut auf den Erfahrungen langjähriger Friedensarbeit - Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen sowie soziale Arbeit und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in den Kriegsjahren - auf.


"Sintem" wurde 2003 in einem Flüchtlingslager in Inguschetien gegründet. Vorrangiges Ziel der Organisation ist die Stärkung der Interessen von Frauen und ihrer Teilhabe an gesellschaftlichen und politischen Prozessen. "Sintem" betreibt ein Frauenzentrum, dass psychologische Beratung und materielle Unterstützung für Frauen, Gesundheitstrainings und verschiedene Programme zur Förderung der Selbstorganisation von Frauen anbietet. Das Engagement der Organisation geht jedoch weit darüber hinaus und umfasst ein breites Spektrum an friedens- und bildungspolitischen Aktivitäten. Im Rahmen des Programms "Hilfe für Helfende" arbeitet "Sintem" seit vielen Jahren mit LehrerInnen, bietet psychologische Unterstützung und pädagogische Weiterbildung an. Zunehmend arbeitet die Organisation auch mit Kindern und Jugendlichen zu Gender, Selbstbestimmung und Konfliktbearbeitung und führt antirassistische Trainings mit Jugendlichen aus verschiedenen Kaukasusrepubliken durch. Wesentliches Anliegen ist die Förderung zivilgesellschaftlicher Strukturen durch Netzwerkarbeit mit Organisationen aus anderen kaukasischen Republiken und die Unterstützung von NGOs bei der Organisationsentwicklung.


Projektleitung

Andrea Hapke
AndreaHapke@web.de

Projektkoordination in Tschetschenien

Taita Junusova
taita66@mail.ru

Trainingsleitung

Katrin Wolf
Andrea Hapke
Inna Ajrapetjan

Förderung

Das Projekt „Schulen des Friedens“ wurde 2008 - 2010 durch das Institut für Auslandsbeziehungen e.V. aus Mitteln des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland gefördert.

Perspektiven des Projektes

Es gibt verschiedene Ideen für eine Weiterführung des Projektes und die Verstärkung seiner Wirkungen.

  • die Ausbildung der ProjektteilnehmerInnen zu MultiplikatorInnen der "Friedensschulen"
  • eine Wiederholung des Projektes und der Trainingsarbeit mit neuen TeilnehmerInnen aus denselben Schulen
  • Trainingsarbeit mit PädagogikstudentInnen...

Für eine Klärung der Projektideen und der weiteren Zusammenarbeit mit unseren tschetschenischen Partnerinnen wollen wir zunächst Gelder für einen gemeinsamen Planungsworkshop akquirieren.