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Kommunika Osteuropa

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Projekte

Projekt mit der Unabhängigen demokratischen Frauenbewegung Belarus

EFFA – Existenzgründungen von Frauen gegen Frauenarmut und Arbeitslosigkeit

Das Projekt will zur Überwindung der Frauenarmut und Frauenarbeitslosigkeit in Belarus beitragen. Dafür sollen Frauen in Belarus – insbesondere in den ländlichen Regionen - unterstützt und gefördert werden, sich mit Existenzgründungen selbstständig zu machen und damit wirtschaftlich unabhängig zu werden.
 
 

Projekt „Schulen des Friedens“ 2008 -2010

Ein Projekt von „Echo des Krieges“ (Tschetschenien) und „Kommunika e.V.“ (Deutschland)

Das Projekt fördert die Stärkung der Rolle von Schulen in Tschetschenien als Orte des Friedenserziehung, Konfliktbearbeitung und Demokratieförderung in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen

 

Aktuelles: Übergriffe auf Frauen in Tschetschenien

Seit einigen Wochen erreichen uns beunruhigende Nachrichten aus Tschetschenien. Es wird mit zunehmender Gewalt versucht, eine Kleider- und Verhaltensordnung für Frauen durchzusetzen. Toleriert von der Regierung der zu Russland gehörigen Kaukasusrepublik umringen Gruppen von jungen Männern Frauen auf der Straße, die ihrer Meinung nach nicht angemessen gekleidet sind, beschimpfen sie und werden in einigen Fällen auch handgreiflich.

Was als angemessene Kleidung betrachtet wird, war zuvor im Fernsehen sowie auf in den Straßen verteilten Handzetteln zu erfahren: Kopftuch, Oberbekleidung, die die Arme bis über den Ellenbogen bedeckt, lange Röcke. Bereits im Juni wurden aus Autos Angriffe aus Paintball - Pistolen auf Frauen verübt. Der tschetschenische Präsident Kadyrov bedankte sich damals in einer öffentlichen Erklärung bei den Attentätern und bezeichnete unbedeckte Frauen als "nackt".

Anlässlich des Fastenmonats Ramadan nehmen die Jagd auf Frauen und der Eingriff in ihre Freiheits// Persönlichkeitsrechte immer aggressivere Formen an, wie auch Reuters berichtete. In einer Presseerklärung des Informationszentrums des Rates der Nichtregierungsorganisationen der Republik Tschetschenien "WER ist gegen die Frauen?" vom 20. August 2010 werden die Übergriffe detailliert beschrieben:

"Seit einigen Tagen spielen sich auf den zentralen Straßen Groznyj Gewaltszenen ab, die man sich vor kurzem noch kaum vorstellen konnte. Gruppen junger Männer beleidigen, erniedrigen junge Frauen und Mädchen, die iher Meinung nach "nicht angemessen gekleidet" sind, und in einigen Fällen schlagen sie sogar auf sie ein. Das alles fing relativ harmlos an: im lokalen Fernsehen gab es Hinweise dazu, wie sich tschetschenische Frauen und Mädchen zu kleiden haben, mit besonderem Augenmerk darauf, dass der für Muslime heilige Monat, der Ramadan begonnen hat. Danach tauchten auf Groznyjs Straßen Handzettel mit ähnlichem Inhalt auf, auf denen von den Vertreterinnen des schönen Geschlechts die Einhaltung von Anstandnormen gefordert wurde. Nun wurde anscheinend beschlossen, "von Worten zur Tat" zu schreiten. Man gewinnt den Eindruck, dass bei uns in der Republik jetzt eine Art "Antiterror-Operation" (KTO) gegen Frauen anberaumt wurde.

Unzählige Augenzeugen und die Opfer selber erzählen davon, wie Gruppen enthemmter junger Männer im Zentrum Groznyjs und im Umkreis des Einkaufszentrums "Berkat" vorübergehende junge Frauen anpöbeln. Frauen, die nicht "richtig" bekleidet waren, wurden mit Schelte, Vorwürfen und Drohungen überschüttet. Dabei machte es für die außer Rand und Band geratenen Halbstarken keinerlei Unterschied, wen sie vor sich hatten: einen Teenager, die ein eng anliegendes T-Shirt trug, oder eine erwachsene Frau, die anstelle eines großen Tuches einen Streifen auf dem Kopf trug. In einigen Fällen wurden die jungen Frauen sogar an ihrer Kleidung gepackt, festgehalten und dabei ununterbrochen beschimpft und beleidigt. Eine derartige "Prophylaxe" und Zwang zur "Sittlichkeit" sollen nach der Idee der Organisatoren dieser Kampagne anscheinend die Moral unserer Frauen stärken, ihr Verantwortlungsbewusstsein erhöhen und sie zur Achtung gegenüber der Religion, den Bräuchen und Traditionen unseres Volkes aufrufen.

[...] Unter den Opfern dieser "Hüter der Moral" sind junge Studentinnen und eine Ärztin mit langjähriger Diensterfahrung, sind Mitarbeiterinnen verschiedener Einrichtungen und Behörden. Sie alle erzählen davon, dass sie durch die Taten der jungen Männer einen Schock erlitten. [...]" (Übersetzung aus dem Russischen: Andrea Hapke)

Nachdem diese Presseerklärung erschienen war, wurde im lokalen Fernsehen eine Warnung an alle ausgesprochen, die Informationen über die Situation verbreiten. Der Druck wird nicht nur auf die Frauen ausgeübt. Zunehmend werden auch Männer in der Öffentlichkeit beschimpft und von ihnen verlangt, dass sie ihre Frauen 'zur Ordnung rufen'. Gleichzeitig mehren sich die Gerüchte, dass für unverheiratete Frauen ein Arbeitsverbot erlassen werden soll.

Eingriffe auf die Freiheitsrechte von Frauen haben im Nachkriegstschetschenien bereits eine lange Geschichte. 2007 wurde eine Kopftuchpflicht für Frauen und Mädchen ab 6 Jahren in allen öffentlichen Gebäuden eingeführt. Diese Versuche, eine Genderordnung zu etablieren und die zunehmende Aggressivität gegen Frauen, scheinen in einem Zusammenhang mit den durch den Krieg veränderten Geschlechterrollen und der hohen Arbeitslosigkeit zu stehen. Frauen sind oft zu den Familienernährerinnen geworden, indem sie im Dienstleistungsbereich oder auf dem Markt, aber auch in Schulen und auf Baustellen arbeiten. Die Arbeitslosigkeit betrifft Frauen und Männer. Jedoch gerät das Rollen- und Selbstverständnis von Männern stärker unter Druck - was sich auch in einem Ansteigen häuslicher Gewalt zeigt -, und wird Gewalttätigkeit in einer stark militarisierten Gesellschaft gefördert. Der Wunsch nach Stabilität und Ordnung äußert sich u.a. in einer Wiederbelebung und auch Neuerfindung von Traditionen und der Reglementierung v.a. von Frauen. Darin wird auch deutlich, wie komplex, gewalttätig und besorgniserregend die Situation in einer Region ist, die als 'befriedet' gilt und in den deutschen Nachrichten kaum noch auftaucht.

Unsere Organisationen sind seit mehreren Jahren mit verschiedenen Projekten in Tschetschenien und im Nordkaukasus aktiv und arbeiten eng mit Frauenorganisationen vor Ort zusammen. Wir wollen mit dieser Mitteilung auf die Situation aufmerksam machen und eine Öffentlichkeit dafür schaffen. Wir sind sehr besorgt um die nach wie vor tätigen Nichtregierungsorganisationen in Tschetschenien, deren Handlungsfähigkeit systematisch eingeschränkt wird und deren MitarbeiterInnen sich großer Gefahr aussetzen, wenn sie auf in der Situation agieren.

Katrin Wolf, Heike Pfitzner, Andrea Hapke (Kommunika - Frauennetzwerk Osteuropa e.V. - www.kommunika-osteuropa.org)
Ute Becker, Heide Göttner (Amica e.V. - www.amica-ev.org)
Marina Grasse, Dana Jirous (OWEN - Mobile Akademie für Geschlechterdemokratie und Friedensförderung e.V. - www.owen-berlin.de)

 
Plakat in Groznyj 2009

Groznyj 2009. Ein Plakat des tschetschenischen Ministeriums für Außenbeziehungen, nationale Politik, Presse und Information zeigt, wie die 'gute' Tschetschenin auszusehen und nicht auszusehen hat. (Foto: A. Hapke)